„little girl“ schaut zurück

Vor einem Jahr, mitten in der Pandemie, veröffentlichte ich meine erstes Album „Lanik – little girl“. Ein Meilenstein in meiner persönlichen Lebensgeschichte. Hat sich seither etwas verändert? Ein Blick zurück.

Ich hole ein wenig aus: Nach meinem Studium nahm ich einen ersten Anlauf, selber Musik zu schreiben und damit aufzutreten. Unter dem Namen „Lemon goes music“ trat ich gemeinsam mit Rahel Ulmi am Klavier mit Eigenkompositionen in einer kleinen Bar in Luzern auf. Dies war kurz vor meiner Hochzeit, und der Zufall wollte es, dass die ganze Polterabend-Kompanie meines Mannes an diesem Konzert auch zugegen waren. Aber dies ist eine andere Geschichte…

Ursprünglich war mein Plan, nach dem Studium mein Pensum als Hortleiterin immer weiter zu reduzieren und dafür mein Musikpensum hochzuschrauben. Als es jedoch darum ging, ob mein Mann und ich zusammen für eine Weile im Ausland arbeiten wollen, war ich sofort Feuer und Flamme (ein anderer Traum von mir!). Und tatsächlich wurden aus diesem Projekt drei Jahre in Sierra Leone. Plus unser erster Sohn.

Was ich damit verbildlichen will, ist: In meinem Leben habe ich immer wieder Pläne geschmiedet, umgesetzt, diese aber auch wieder verworfen und neue Wege eingeschlagen. Dass ich mit 40 nochmals einen Anlauf starte, mich als Sängerin und Künstlerin selbständig zu machen, freut mich enorm! Das bedeutet, ich bin noch nicht ganz eingerostet. Und dieser Schritt führte mich unweigerlich dazu, selber wieder Musik zu schreiben und diese auch wirklich fertig zu produzieren. So der Weg zum eigenen Album.

Und jetzt, wo stehe ich, was hat sich in den letzten zwei Jahren verändert?

Am Anfang ist der Weg. Dieser Satz bringt für mich vieles auf den Punkt. Wenn es darum geht, selber Musik zu schreiben und zu komponieren, melden sich regelmässig die gleichen Stimmen in mir: „Der Musikmarkt ist übersättigt, wer wird schon deine Songs hören wollen?“, „Niemand wartet auf dich.“ oder „Was hast du schon Neues zu bieten?“. Auch andere Stimmen verleiten dazu, in der Vorstellung stecken zu bleiben: „Wenn ich wollte, dann könnte ich“. Die Umsetzung bleibt auf der Strecke. Das Risiko, zu Scheitern oder keinen Erfolg zu haben, möchte man nicht eingehen.

Tja, und genau hier liegt die grosse Veränderung! Ich habe mich entschieden, einen Weg zu gehen und konkrete Schritte umzusetzen. Ich habe mich entschieden, mich meiner eigenen und auch fremder Kritik auszusetzen und, falls es soweit kommt, Scheitern zu dürfen. Es war eine Entscheidung fürs Ungewisse, da ich von ganz Vielem keine Ahnung hatte.

Was braucht es alles, um einen Song oder gleich ein ganzes Album zu produzieren? Mit wem mache ich das? Wie hoch sind die Kosten? Wie werde ich selbständig? Was gibt es aus marketingtechnischer Sicht zu beachten? Was ist TikTok? Buchhaltung? Wie funktioniert der digitiale Musikmarkt?

Diese Fragen brachten mich weiter. Schritt für Schritt habe ich mich in Richtung Albumproduktion bewegt und gelernt, wie man selber Demos aufnehmen kann, was Distrokid und andere digitalen Verteiler für eine Bedeutung haben, was ich bei der SUISA beachten muss, wie ein Youtube-Kanal funktioniert u.s.w….die Liste ist endlos. Beim Schreiben wird mir bewusst, dass ich vermutlich in kurzer Zeit so viel gelernt habe wie schon lange nicht mehr. Und das nicht im theoretischen, sondern im praktischen Bereich. Ganz vieles war „Learning by doing“.

Ich bin dankbar. Ich erlebe Hoch- und Tiefschläge, Durststrecken und Adrenalinschübe. Zweifel vermischen sich mit Selbstvertrauen, Experimentierfreudigkeit und Vertrauen. Ich darf meine Berufung zum Beruf machen und werde dabei von meinem Umfeld unterstützt. Manchmal ist meine Arbeit sehr einsam, denn ich alleine bin dafür verantwortlich, dass etwas läuft. Immer wieder ergeben sich inspirierende Begegnungen und Projekte. Ich lerne weiter, Tag für Tag, als Mensch und als Musikerin. Ich liebe diese Leben.

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