Leere in mir – Fülle im Leben?

Es ist dunkel draussen. Kalt. Während ich am Computer sitze, friere ich an den Füssen. Null Grad steht auf dem Thermometer. Kein Wunder möchte ich mich am liebsten unter meiner Decke verkriechen. Und erst im Frühling wieder auftauchen.

Was tun, wenn die äussere Kälte und Dunkelheit auch innerlich zu spüren ist? Wenn man sich statt fröhlich und energiegeladen, lustlos und leer fühlt?

Um diese Leere, die sich in mir ausbreitet, aus dem Weg zu gehen, checke ich alle paar Minuten meine Mails oder tummle mich auf meinen sozialen Kanälen. Vielleicht läuft da was? Etwas, dass mich aufmuntert und mich wieder in Schwung bringt? Nein, da ist nichts. Und wenn doch, dann ist die Freude oder Aufregung nur von kurzer Dauer und die Dumpfheit des Augenblicks legt sich wieder über mich.

Die Suche nach dem Warum fängt an. Warum fühle ich mich so? Was würde die Situation ändern? Frau Lass-mich-in-Ruhe und Frölein Ich-weiss-alles melden sich in meinem Kopf.

Frau Lass-mich-in-Ruhe: „Corona ist schuld. Wenn Corona nicht wäre, hätte ich viel mehr Live-Auftritte und meine Motivation wäre nicht im Keller. Ich könnte mich besser vernetzen, mehr Geld verdienen und alles wäre besser.“

Frölein Ich-weiss-alles: „Nee, sorry, das ist nicht der Grund. Du hast doch gar keine Ahnung, ob du ohne Corona Erfolg hättest. Vielleicht wäre es sogar viel schwieriger, an Live-Auftritte zu kommen?“

Frau Lass-mich-in-Ruhe: „Dann trägt eben die Selbständigkeit und das ewige Allein-Unterwegs-Sein Schuld an meiner Situation! Ich bin doch ein sozialer Mensch und brauche den Austausch mit Anderen. Nur schon eine Band zu haben würde alles halb so schlimm aussehen lassen. Immer muss ich alles alleine machen!“

Frau Ich-weiss-alles: „Ach was, wenn du eine Band hättest, müsstest du die Auftritte und Proben auch selber organisieren. Und mehr Geld würdest du ebenfalls brauchen. Austausch ist ja momentan nicht verboten, da bist du selber schuld, wenn du nur zuhause vor dem Computer sitzt.“

Dieser Schlagabtausch könnte ewig so weitergehen. Natürlich gibt es noch andere schlaue Personen in mir, wie zum Beispiel die weise Frau, der aggressiven Macker, das schüchterne Mädchen oder die selbstbewusste Dame. Doch trotz dieser Vielzahl an inneren Dialogen fühle ich mich leer. Die Leere auszuhalten ist unangenehm. Oft kommen Antriebslosigkeit und Sich-Gehen-Lassen dazu. Fragen über das eigene Tun, das Leben an sich und die Sinnhaftigkeit kommen und gehen…

Ich habe mich immer wieder gefragt: Braucht es diese Leere, damit ich kreativ sein kann? Ist die Leere auch eine Art „Inspirationsquelle“? Oder rede ich mir das bloss ein um diesen Zustand „aushaltbarer“ zu machen und ihn mit Sinn zu füllen?

Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. So unangenehm dieser Zustand der Leere ist, so spannend und bereichernd können die Prozesse sein, die daraus entstehen können. Manchmal. Wenn sich Sehnsucht zur Leere dazugesellt, kann der Drang entstehen, diesem Gefühl oder Zustand Ausdruck zu verleihen. Durch die Musik. Es kann. Muss nicht. Tut’s oft auch nicht. Aber manchmal.

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