Mein Auftritt bei „The Voice of Switzerland“

Wenn ich daran denke, dann kommen gemischte Gefühle auf: Enttäuschung, Stolz, Freude, Ärger…die ganze Palette. Heute tauche ich nochmals ein und schaue genauer hin: „Was war da eigentlich los und was hat dieser Auftritt mit mir gemacht?“

Ich fange von vorne an: In einem schwachen Moment (ich nenne ihn „schwach“, weil ich in einem solchen Moment nicht viel darüber nachdenke, was das bedeuten könnte und ob ich das wirklich will…damit beschäftigen tue ich mich erst später) habe ich mich bei TVoS (The Voice of Switzerland) angemeldet. Solche Anmeldungen sind immer zweischneidig: Einerseits bilde ich mir ein, dass mir kein Zacken von der Krone fällt, wenn ich nicht weiterkomme, andererseits bin ich dann doch enttäuscht, wenn das nicht der Fall ist. Natürlich habe ich mich dann sehr gefreut, als es hiess, dass ich eine Runde weiter bin.

Eine Runde weiter…und weiter?

Ich kann in meiner Erinnerung nicht mehr differenzieren, was genau bei der ersten Runde und was bei der zweiten Runde zu tun war. An meine inneren Prozesse und Auseinandersetzungen hingegen kann ich mich sehr gut erinnern. Bei der ersten Runde war ich aufgeregt, aber ich bin Meisterin darin, dies nicht zu zeigen und gelassen und ruhig zu wirken (auch wenn ich innerlich aufgewühlt bin). Für die zweite Runde habe ich mir mehr Gedanken gemacht, wie ich mich präsentieren möchte, denn genau darum geht es bei diesem Fernsehprogramm: Eine gute Stimme, Emotionen, ein interessanter Auftritt, eine spannende Geschichte. Ein „gemaltes“ Bild für den Zuschauer.

Mich interessiert vor allem das Singen, der „Rest“ ist mir eher lästig und unangenehm. Doch je stärker man im Rampenlicht steht, umso mehr geht es auch um das „Drumherum“. Eine Seite in mir möchte sich nicht auf „ein Bild“ festlegen lassen. Eine andere Seite in mir ist sogar total nachlässig und findet „Scheiss drauf wie ich daherkomme!“ (ich entschuldige mich für meine Sprache, aber so sind innere Stimmen nun mal: Unverblühmt oder auf Schweizerdeutsch „Fadägrad ussä“). Und eine Seite möchte natürlich einfach gut dastehen: Bewundert werden und cool sein! Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie diese inneren Auseinandersetzungen anstrengend waren, während ich äusserlich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen!

Ein Portrait von Annick Langlotz

„Ein Tag hat nur 24 Stunden. Annick nutzt sie alle.“ In meinem Portrait war das einer der Aussagen (nicht von mir wohlgemerkt). Ich kann nicht aufhören zu grinsen, denn mein Sohn liebt es, mir diese Sätze immer wieder unter die Nase zu reiben.

Nachdem ich Bescheid erhalten hatte, dass ich bei den Blind Auditions auftreten durfte, erhielt ich die Nachricht, dass sie bei mir vorbeikommen wollten um ein Portrait zu drehen. Die Kinder sollten unbedingt auch dabei sein. Es ist eine spezielle Erfahrung, gefilmt zu werden. Man realisiert, was es alles braucht um ein kurzes Portrait zusammenzustellen. Es ist eine Art „Hinter-die-Kulissen-schauen“: Reality-TV vermittelt uns die Illusion, dass wir uns in der Realität befinden, auch wenn dem nicht so ist. Gleichzeitig ist es eben eine Kunst, genau das zu schaffen und dem Zuschauer das Gefühl zu geben, er sei mittendrin und live dabei.

Lets get ready!

Es ist ähnlich, wie wenn du als Kind zum ersten Mal in die Skiwoche gehst: Du kennst niemanden und hast keine Ahnung, was genau auf dich zukommt! Die Proben sowie der Auftritt selber waren in Köln. Zwischen drei und fünf Tagen sollte man vor Ort bleiben, da es organisatorisch nicht anders zu stemmen war. Genau in dieser Zeitspanne waren im Zirkus Mugg die letzten Proben fürs Weihnachtsvarieté. Ich war Teil der Show und konnte unmöglich fehlen. Um meinen Auftritt bei TVoS nicht absagen zu müssen, organisierte ich mich mit der Koordinatorin so, dass ich sowohl für die Probe als auch für den Auftritt hinflog und mit dem Zug zurückfuhr. Ökologisch ein Nonsense, ich weiss, aber ich habe mich extra für den Zug starkgemacht (um nicht 4x innerhalb von 5 Tagen zu fliegen).

Am Auftrittstag musste ich frühmorgens meinen Flug erwischen (um 5.00 Uhr ging ich los, gegen 10.00 Uhr war ich dort und um 15.00 Uhr war mein Auftritt). Etwas, das mir stark in Erinnerung bleibt, sind die Gespräche mit den Taxifahrern und der Taxifahrerin. Einer war Tauchlehrer, der andere Koch und die Taxifahrerin war ein alter Hase in diesem Geschäft und eine echt coole Frau.

Rücken wir zu diesem Moment vor, wo ich alleine auf der Bühne stand und die vier Stühle nur von hinten sah.

Es gibt Momente im Leben, die erlebt man immer wieder in Gedanken, vorwärts und rückwärts, mit kleinen Veränderungen (was wäre wenn…?). Das hier ist ein solcher Moment. Die Enttäuschung, dass ich es nicht geschafft hatte, wenigstens einen Stuhl zum Umdrehen zu bewegen, ist für immer da. Unterdessen kann ich anders damit umgehen, und ich sehe es als eine interessante Lebenserfahrung an, grins. Aber damals, vor Publikum und live im Fernsehen, war es eine ziemliche Herausforderung, mit dieser Enttäuschung umzugehen. Ich musste mich total zusammenreissen, um keine Träne zu vergiessen.

Ich war sowohl bei den Castings und auch in Köln alleine unterwegs. Ich wollte keine grosse Sache aus meinem Auftritt bei TVoS machen und ausserdem fällt es mir manchmal leichter, alleine zu sein, wenn ich nervös bin. Aber vielleicht rede ich mir das auch alles nur ein. Was sicher ist: Als sich die Stühle nicht umdrehten, wollte ich einfach weg, nach Hause in die gemütliche Stube, wo es sicher ist.

Die Castings und Blind Audition waren eine total spannende Erfahrung für mich, denn sie hat mir an vielen Stellen aufgezeigt, wie ich funktioniere und damit auch, wo meine Schwachpunkte liegen aber auch worin ich stark bin. Manchmal findet man das nur heraus, wenn man sich exponiert, ein Risiko eingeht und sich zeigt. Farbe bekennt.

Bald ist es ein Jahr her. In den nächsten Wochen zeige ich wieder etwas mehr von mir und bekenne Farbe: Lanik – little girl, mein erstes Album wird am 19. Februar veröffentlicht. Wünscht mir Glück!

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