Sängerin und Mutter unter einem Hut. Wie geht das?

Ich hänge an den Ringen, wippe hin und her, immer stärker, versuche einen doppelten Salto zu machen und hoffe, dass die Matte unter mir gut platziert ist, denn runterfallen werde ich bestimmt…die Frage ist nur, wie schmerzhaft es wird. (Bild: Martina Häfelfinger)

Musik und Familie. Kunst und Familie. Job und Familie.

Wenn man sich mein Instagram anschaut, könnte man (fast) meinen, ich sei Single, ohne Kinder und mein Leben gehöre der Musik: Ich komponiere, trete auf, nehme mein neues Album im Studio auf, drehe neue Musikvideos, und und und. Mein Leben ist tatsächlich (fast) so. Nur gibt es da die lästigen Unterbrüchen mit Kochen, Wäsche machen, Aufräumen oder als Hausaufgaben-Hilfe, Begleitschutz, Sport-Coach, Kommunikationstrainerin, Richterin…(die Liste könnte ich ewig weiterführen…)…

Ja, ich gestehe, ich bin #Mutter und führe einen #Haushalt.

Hier muss ich kurz etwas anfügen: Wisst Ihr, beim Blog-Schreiben gehen mir verschiedene Gedanken und Fragen durch den Kopf. Wie ehrlich soll ich sein? Wie stark darf ich übertreiben und provozieren? Muss ich auf die Selbstverständlichkeit hinweisen, dass ich meine #Kinder liebe und eloquente Beispiele dafür zitieren? Oder kann ich davon ausgehen, dass Ihr das wisst und mich auf das Wesentliche konzentrieren? (Da ist er wieder, mein etwas bissiger Humor!)

Während ich schreibe, höre ich, wie oben heftig gestritten wird: Geschrei, Gestampfe, Trauer und Tränen. Ein starker Impuls in mir möchte nach oben gehen und schlichten. Ein anderer möchte sich beschweren: Könnt ihr denn nicht auf mich Rücksicht nehmen, wenn ich arbeite?

Tatsache ist…

Tatsache ist: Ich bin 100% Musikerin und 100% Mutter. Wenn meine Kinder mich brauchen, bin ich da. Meine Musik kommt an zweiter Stelle.

Klingt gut, was? Das ist doch mal ein Statement. Fakt ist: Ich weiss nicht, ob es so ist.

Ich weiss, dass mir meine Kinder wichtig sind. Ich weiss auch, dass es Kindern gut tun kann, wenn man ihnen etwas zutraut. (Manchmal sind es gegebene Umstände, die wir nicht verändern können, manchmal sind es Wertvorstellungen, die unsere Erziehung beeinflussen). Ich weiss, dass mir meine Musik sehr wichtig ist und dass ich Erfolg haben möchte. Ich weiss, dass ich bereit bin, viel Arbeit und Zeit dafür zu investieren.

Während ich diese Zeilen schreibe, erscheint mir ein Bild: Ich, Seiltänzerin mit einem schweren Stab, balancierend, Schritt für Schritt nach vorne, ich kippe immer mehr auf eine Seite und…PLUMPS… runtergefallen. Alles klar, dann halt eben wieder von vorne!

Mutter und Sängerin zu sein, fühlt sich genau so an: Ich möchte beides 100% richtig und gut machen. Und ich weiss genau, dass mich dieser Wunsch immer wieder zu Fall bringen wird, weil ich meinen Ansprüchen (oder derjenigen der Anderen), nicht genügen werde.

Wie bitte soll das gehen?

Tja, diese Frage stellen sich wohl viele von uns. Es ist fraglich, ob wir die Antwort gefunden haben. Aber wichtig scheint mir, dass wir den Weg überhaupt GEHEN, dass wir den Seiltanz WAGEN. Auch wenn jetzt vielleicht einige von Euch die Augen rollen werden, weil schon tausendmal gehört, stimmt für mich an dieser Stelle der Spruch:

„Der Weg ist das Ziel.“ Konfuzius

Ich bin enttäuscht, weil ich meine gesteckten Ziel bei der Promotion meiner Songs nicht erreicht habe. Mein Haushalt ist ein gefühlter Schweinestall und überall häufen sich Konsumgüter, die nicht benutzt werden. Die liebevolle Begleitung meiner Kinder kommt oft zu kurz und die endlosen Diskussionen mit ihnen nerven mich regelmässig. Mein Mann darf sich von mir belabbern lassen, wie schrecklich die #SocialMedia doch sind, anstatt dass ich für ihn etwas Leckeres koche. Mein Schreibtisch, meine To-Do-List….hach egal…

So sieht’s aus! Und jetzt kommt der obengenannte Spruch zum Zug, den ich jetzt in meine eigenen Worte fasse: „Nicht aufgeben, sondern annehmen, was ist. Sich selber und seiner Umwelt für die Unvollkommenheiten verzeihen und die wunderbaren Momenten sowie erreichten Ziele würdigen und wertschätzen. Das Glück im Un-Vollständigen, Nicht-Perfekten finden. Weitergehen. Und das Ganze immer wieder von vorne.“

Während ich den letzten Abschnitt schreibe, fange ich an zu grinsen. Genau, ich habe etwas vergessen! Humor!! Humor haben und entwickeln, sich selber nicht zu sehr Ernst nehmen und über sich lachen können, dass ist ein Geheimrezept, dass die schlimmsten Katastrophen in unvergessliche Erfahrungen umkehren vermag. Es ist wie eine Erlösung! Der Ärger, dass meine Songs auf dem falschen Künstlerkanal veröffentlicht wurden oder aber die Enttäuschung, dass mir mein Sohn partout nicht bei gewissen Haushaltsarbeiten helfen möchte, verfliegen…

…und zurück bleibt eine lachende Mutter und Sängerin, die ihren Weg geht.

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